Nachschlagewerk

Glossar der Psychotherapie

Fachbegriffe aus der Psychotherapie verständlich erklärt. Von PTV3 über SORCK-Modell bis hin zu rechtlichen Grundlagen.

Berichte & Verfahren

Bericht an den Gutachter

Auch 'Antrag auf Psychotherapie' genannt. Ein strukturierter Fachbericht, den Psychotherapeut:innen bei der Krankenkasse einreichen, um eine Kostenübernahme für Psychotherapie zu beantragen. Der Bericht enthält Diagnostik, Anamnese, Therapieplanung und Prognose.

Gutachterverfahren

Prüfverfahren, bei dem ein:e unabhängige:r Gutachter:in den Antrag auf Psychotherapie fachlich bewertet. Ziel ist die Qualitätssicherung und Prüfung der medizinischen Notwendigkeit der beantragten Behandlung.

Kostenübernahme

Die Zusage der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung, die Kosten einer Psychotherapie zu tragen. Voraussetzung ist in der Regel ein positiv begutachteter Antrag (Bericht an den Gutachter).

Probatorische Sitzungen

Probesitzungen zu Beginn einer Psychotherapie (in der Regel 2-4 Sitzungen), in denen Psychotherapeut:in und Patient:in prüfen, ob eine vertrauensvolle Arbeitsbeziehung möglich ist und die gewählte Therapieform geeignet erscheint.

PTV2

Vorgängerversion der PTV3. Die PTV2 war bis zur Einführung der PTV3 die gültige Psychotherapie-Vereinbarung und definierte die damaligen Anforderungen an Anträge und Berichte.

Verwandte Begriffe:PTV3Gutachterverfahren

PTV3

Abkürzung für 'Psychotherapie-Vereinbarung Version 3'. Bezeichnet die aktuelle Version der Vereinbarung zwischen Krankenkassen und Psychotherapeut:innen, die unter anderem das Format und die Anforderungen an Berichte an den Gutachter (Antrag auf Psychotherapie) definiert.

Verhaltensanalyse

Funktionale Bedingungsanalyse

Analyse der funktionalen Zusammenhänge zwischen Verhalten und seinen Konsequenzen. Untersucht, welche Funktion ein problematisches Verhalten erfüllt und was es aufrechterhält.

Verwandte Begriffe:SORCK-Modell

Makroanalyse

Übergreifende Analyse der Lebensgeschichte und Entwicklung des:der Patient:in. Betrachtet biographische Faktoren, Lernerfahrungen und deren Einfluss auf aktuelle Probleme. Ergänzt die situationsspezifische Mikroanalyse.

Verwandte Begriffe:SORCK-ModellMikroanalyse

Mikroanalyse

Detaillierte Analyse einer konkreten Problemsituation. Untersucht den genauen Ablauf eines problematischen Verhaltens in einer spezifischen Situation unter Berücksichtigung von Auslösern, Gedanken, Gefühlen und Konsequenzen.

Verwandte Begriffe:SORCK-ModellMakroanalyse

SORCK-Modell

Verhaltensanalytisches Modell zur systematischen Erfassung von Problemverhalten. S = Stimulus (Auslöser), O = Organismus (biologische/psychologische Faktoren), R = Reaktion (Verhalten), C = Konsequenz, K = Kontingenz (Zusammenhang zwischen Verhalten und Konsequenz).

Verwandte Begriffe:MikroanalyseMakroanalyse

Therapieformen

Verhaltenstherapie (VT)

Evidenzbasiertes Psychotherapieverfahren, das auf lerntheoretischen Prinzipien basiert. Ziel ist die Veränderung problematischer Verhaltensweisen, Gedanken und Emotionen durch gezielte Interventionen wie Exposition, kognitive Umstrukturierung oder Verhaltensexperimente.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP)

Psychotherapieverfahren, das auf psychoanalytischen Konzepten basiert. Fokussiert auf unbewusste Konflikte und deren Auswirkungen auf aktuelle Probleme. Zeitlich und thematisch fokussierter als klassische Psychoanalyse.

Analytische Psychotherapie (AP)

Langzeit-Psychotherapieverfahren auf psychoanalytischer Grundlage. Zielt auf tiefgreifende Persönlichkeitsveränderungen durch Bearbeitung unbewusster Konflikte ab. Höhere Sitzungsfrequenz als tiefenpsychologisch fundierte Therapie.

Systemische Therapie

Psychotherapieverfahren, das den Menschen im Kontext seiner sozialen Beziehungen betrachtet. Seit 2019 als Kassenleistung anerkannt. Arbeitet mit Familien, Paaren oder Einzelpersonen unter Einbeziehung systemischer Perspektiven.

Verwandte Begriffe:Psychotherapie-Richtlinie

Interventionen

Achtsamkeit

Bewusste, nicht-wertende Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment. In der Psychotherapie als Technik zur Emotionsregulation und Stressreduktion eingesetzt, z.B. in MBSR oder achtsamkeitsbasierter kognitiver Therapie (MBCT).

Verwandte Begriffe:MBSRMBCTACT

ACT (Akzeptanz- und Commitment-Therapie)

Verhaltenstherapeutischer Ansatz der 'dritten Welle'. Betont psychische Flexibilität durch Akzeptanz unangenehmer Erfahrungen, Achtsamkeit und wertorientiertes Handeln.

Exposition

Therapeutische Technik, bei der Patient:innen gezielt mit angstauslösenden Situationen oder Reizen konfrontiert werden. Ziel ist die Reduktion von Angst durch Habituation (Gewöhnung) und korrigierende Erfahrungen.

Kognitive Umstrukturierung

Therapeutische Technik zur Identifikation und Veränderung dysfunktionaler Gedankenmuster. Patient:innen lernen, automatische negative Gedanken zu erkennen, zu hinterfragen und durch hilfreichere Überzeugungen zu ersetzen.

Schematherapie

Integrativer Therapieansatz, der verhaltenstherapeutische, tiefenpsychologische und humanistische Elemente verbindet. Fokussiert auf früh erworbene maladaptive Schemata (Grundüberzeugungen) und deren Veränderung.

Diagnostik

F-Diagnosen

Diagnosen aus dem Kapitel F (Psychische und Verhaltensstörungen) des ICD-10. Umfasst alle psychischen Störungen von F00 (Demenzen) bis F99 (Nicht näher bezeichnete psychische Störungen).

Verwandte Begriffe:ICD-10Diagnostik

ICD-10

Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision. In Deutschland verbindliches Klassifikationssystem für Diagnosen in der Krankenversorgung.

Verwandte Begriffe:ICD-11DSM-5F-Diagnosen

ICD-11

Nachfolger des ICD-10, seit 2022 von der WHO verabschiedet. Enthält aktualisierte Diagnosekriterien und neue Störungskategorien. In Deutschland noch nicht vollständig implementiert.

Verwandte Begriffe:ICD-10DSM-5

Komorbiditität

Das gleichzeitige Vorliegen mehrerer Erkrankungen bei einer Person. In der Psychotherapie häufig, z.B. Depression und Angststörung. Relevant für Therapieplanung und Prognose.

Verwandte Begriffe:ICD-10Diagnostik

Rechtliches

Approbation

Staatliche Zulassung zur Ausübung des Berufs als Psychotherapeut:in. Voraussetzung für die eigenverantwortliche psychotherapeutische Tätigkeit und Abrechnung mit Krankenkassen.

DSGVO

Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union. Regelt den Umgang mit personenbezogenen Daten. Besonders relevant für die sensiblen Gesundheitsdaten in der Psychotherapie.

Verwandte Begriffe:SchweigepflichtDatenschutz

Kassenärztliche Vereinigung (KV)

Körperschaft des öffentlichen Rechts, die die ambulante ärztliche und psychotherapeutische Versorgung organisiert. Zuständig für Kassenzulassungen und Sicherstellung der Versorgung.

Kassenzulassung

Berechtigung zur Abrechnung von Psychotherapie mit den gesetzlichen Krankenkassen. Wird von der Kassenärztlichen Vereinigung erteilt und ist an einen Praxissitz gebunden.

Psychotherapie-Richtlinie

Verbindliche Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), die Rahmen und Bedingungen für die ambulante Psychotherapie zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung regelt.

Verwandte Begriffe:G-BAKassenzulassungPTV3

Schweigepflicht

Gesetzliche Verpflichtung von Psychotherapeut:innen (§ 203 StGB), über alle im Rahmen der Behandlung bekannt gewordenen Informationen Stillschweigen zu bewahren. Verletzung ist strafbar.

Verwandte Begriffe:DSGVODatenschutz

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